Partnerschaft und Vaginismus

Partnerschaft

Steffi
Steffi
Hi, ich bin Steffi und berichte hier über meine jahrelange Vaginismus Erfahrung. Ich bin überzeugt, dass jede Frau Vaginismus heilen kann und hoffe dir mit meinen erfolgreichen Schritten helfen zu können. Viel Spaß auf meiner Seite.

Beziehung, Sex und Vaginalkrampf?

Wie „passt“ das zusammen?

Nach meiner ersten negativen Erfahrung mit penetrativen Sex, dachte ich mir, dies müsste so sein. Alle haben doch gesagt, dass es beim ersten Mal weh tut. Scheinbar wollte ich es dann auch glauben und erweckte meinen Vaginismus zum Leben. Ich probierte es noch einmal aus. Leider ohne Erfolg. Mein Selbstbewusstsein sank tiefer in das Loch, welches ich mir beim ersten Mal schon angefangen hatte zu schaufeln. Wenn man in jungen Jahren grundsätzlich schon nicht sehr von seinen Fähigkeiten überzeugt ist und dann so eine „banale“ Sache wie Sex auch nicht funktionierte, ist es schwer, einen positiven Weg zu sich selbst zu finden. Nachdem ich dann eine toxische Beziehung von eineinhalb Jahren hinter mir hatte, in der es keine Basis für Vertrauen und (wirklich guten) Sex gab, fand ich mich damit ab, für immer allein zu bleiben. Um mich herum, erfuhren etliche Freundinnen die aufregendsten sexuellen Erlebnisse und ich fühlte mich sehr einsam. Dabei wollte ich auch so gern experimentieren und ausprobieren. Mich austoben und verbotene Dinge tun. Aber irgendwie gab es in meinem Kopf nur eine Gleichung: Sex = Penetration. Keine Penetration = kein Sex. Ich war nicht gut aufgeklärt. Wer war das schon? Zu wenig Privatsphäre und zu viel Angst um heimlich am Familien-PC zu Googeln. Bravo, Mädchen und andere Zeitschriften waren dann zumindest eine minimale Wissensquelle, allerdings längst nicht ausreichend. Und mal ganz ehrlich, wer hat schon bock mit seinen Eltern über solch ein intimes Thema zu sprechen.

Irgendwann auf einer Party lernte ich IHN dann kennen. Meinen zukünftigen Partner. Ein paar Male waren wir uns vorher schon über den Weg gelaufen. Allerdings ohne großes Interesse, bis er mich dann an dem Abend auf der Party ansprach. Es folgte ein Date, bei dem wir Stunden in einem Eiscafé über Gott und die Welt sprachen und irgendwie dann „plötzlich“ zusammen waren. Bei diesem Date hatte ich wirklich Angst. Einfach davor, ihm sagen zu müssen, was mit mir nicht stimmte. Ich habe am ganzen Körper gezittert und sogar meine Zähne haben geklappert. Wirklich irre. Ich hatte nie vor mit ihm so schnell intim zu werden, ihm das jetzt schon zu erzählen und doch waren da schon so große Zweifel. Mir fehlte einfach das Vertrauen. Ich kannte ihn einfach zu wenig. Vaginismus macht etwas mit einem. Es hemmt. Das ist wie bei einem Bocksprung den du machen sollst und kurz vor dem Sprung abbremst und gegen den Bock rauscht. Du weißt, dass der Sprung irre gut sein muss, aber etwas hält dich zurück. Deine Angst nicht gut genug zu sein. Weil sie einfach in deinem Kopf festsitzt.

Sicherheit und Vertrauen

Seine Reaktion auf mein Zittern werde ich nie vergessen. Er hat mich einfach in den Arm genommen und festgehalten. Das war wirklich schön und ich konnte mich beruhigen. Damit hatte er einen riesen Pluspunkt auf der Vertrauensskala bekommen. Dieses Auffangen, Festhalten, das Gefühl von Sicherheit gab er mir in den ganzen folgenden 12 Jahren Beziehung immer wieder. Wir hatten viele schöne Jahre, aber auch schlechte. Wir haben vieles ausprobiert und gute Wege gefunden Sex anders zu erleben, nur eben nicht penetrativ. Und er hatte immer Verständnis. Ich fühlte mich geliebt, er war einfühlsam, wir haben viel und offen über meinen Vaginismus gesprochen. Wir haben verschiedene Wege ausprobiert, die zur Heilung führen könnten, doch nichts davon hat das gewünschte Ergebnis erzielt. Und irgendwann stand es zwischen uns. Immer öfter wurde es (von mir) thematisiert. Immer öfter zog ich mich zurück und viel zu oft habe ich mich selbst in Frage gestellt. Ich verstand nicht, warum mich ein Mensch lieben kann, obwohl Sex in der „offiziell“ bekannten Version nicht mit mir möglich war. Ich hatte aufgehört mich zu lieben. Stattdessen angefangen mich zu verurteilen. Dafür, dass mein Körper nicht funktionierte. Das ich nicht „normal“ war. Das ich meinem Freund nicht geben konnte, was er wollte.

Ich wollte Sex. Ich wollte Leidenschaft. Ich wollte echte tiefe Nähe. Und was habe ich gemacht. All das von mir geschoben, mich dagegen gewehrt, mich in meiner Opferrolle gebadet und keinen Ausweg gefunden. Es war bequem und ich war noch nicht bereit, genau hinzusehen. Mich anzusehen. Mein Freund hat mich gespiegelt. Alles was ich ihm vorwarf, galt mir selbst. Verstanden hatte ich das sehr erst viel später. In der Zeit unserer Beziehung war er mein Schutzschild. Ich wusste, dass es Jemanden gibt, der mich liebt. Bedingungslos. Und ich erwiderte es. Doch irgendwann kam die Wendung und ich weiß nicht mehr, wann das gewesen ist. Vielleicht kam es mit der Wut. Die Wut in mir, weil ich Vaginismus hatte und es nicht schaffte, ihn zu heilen. Ein erster wichtiger Schritt, eine erste Erkenntnis raus aus meiner Opferrolle. Doch gleichzeitig war es auch eine Rebellion gegen unsere Beziehung. Manchmal habe ich mich gefragt warum er nicht einfach fremd geht. Manchmal habe ich es mir einfach gewünscht. Denn ich stand seiner sexuellen Freiheit im Weg. Er verpasste wegen mir seine besten Jahre. Aber er blieb. Dieses Wissen, so bedingungslos geliebt zu werden, gab mir zwar Sicherheit, aber setzte mich auch unter Druck. Denn ich wusste, dass ich ihm Liebe in dieser Form nicht zurückgeben konnte. Nicht mehr…

Verantwortung übernehmen

Irgendwann, nachdem ich begonnen hatte, mich mit mir selbst und mit meinen Gefühlen, Wünschen und Träumen auseinanderzusetzen, habe ich verstanden, dass ich nur heilen konnte, wenn ich Verantwortung für mich, für meine Situation übernehme. Dazu gehört auch, Entscheidungen zu treffen, die ein Leben verändern können. Mein eigenes und das anderer. Unsere Trennung dauerte fast ein ganzes Jahr. Es war ein auf und ab der Gefühle. Wir haben gemeinsam viel durchgemacht. Haben uns vertraut, unser Leben geteilt. So etwas wirft man nicht einfach auf den Müll. Man versucht es doch noch zu schaffen. Es aufzuhalten, in eine andere Richtung zu drehen. Sich Hilfe zu holen, zu reflektieren, Dinge anders zu machen. Doch es war zu spät… Wir sind im Guten auseinandergegangen, mit viel Liebe und Respekt und ich bin sehr glücklich darüber, dass er immer noch ein Teil meines Lebens ist. Trotzdem war die Entscheidung sich zu trennen alles andere als leicht aber wichtig und richtig. Denn damit begann meine Heilung…

Beziehungen und Vaginismus funktionieren. Definitiv. Sex und Vaginismus funktioniert. Definitiv. Egal an welchem Ort, egal in welcher Form. Kreativ sollte man sein. Grundsätzlich. In jeder Beziehung. Achtsamkeit. Doch das Wichtigste ist, sich selbst nicht zu verurteilen. Ja, der Vaginismus ist ein Teil von dir. Aber er macht dich nicht minderwertig! Lerne, dich selbst zu lieben. Dann tust du es auch bedingungslos anderen gegenüber. In deiner Beziehung geht es nicht um den Vaginismus, sondern um Selbstliebe. Verurteilung des Gegenübers ist immer Selbstverurteilung. Das habe ich definitiv daraus gelernt. Und dass man Liebe erfahren kann, obwohl man nicht dem „vermeintlichen Standard“ entspricht. Das es nicht wichtig ist, was geht und was nicht. Sondern dass es darum geht, wer du bist. Mit all deinen Farben, Facetten und Eigenheiten.

Du bist gut so wie du bist

Reduziere dich nicht auf deinen Vaginismus. Damit gibst du ihm die Macht über dich, über deine Beziehung zu deinem Partner. Sei achtsam und kreativ. Dein Partner ist mit dir zusammen, weil er DICH liebt. Offenheit und Reden ist ebenso wichtig, aber zerredet nicht alles. Manchmal ist es gut einfach zu machen. Sich mitreißen zu lassen, sich auf den anderen einzulassen. Sex ist nicht gleich Sex. Es gibt ihn in so vielen verschiedenen Formen, auf so viele unterschiedliche Arten. Wichtig ist dabei nur, dass du dabei loslassen kannst. Mit dir im Reinen bist. Du dich selbst liebst.
Ich durfte so viel lernen, so viel reflektieren. Wieder ein positiver Nebeneffekt einer langen Leidenszeit. Liebe und Beziehung ist kompliziert, aber auch das größte Abenteuer was man erleben kann. Es funktioniert nicht einfach. Es ist Arbeit. Ein Miteinander auf Augenhöhe. Trotzdem ein Eigenständig sein, jeder für sich. Und doch gemeinsam. Ich weiß jetzt, dass es auch anders geht. Das so viel mehr möglich ist. Und ich freue mich jetzt schon darauf, dieses Abenteuer noch einmal anzugehen. Wann auch immer das sein mag…

Herzliche Grüße,
Steffi

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Steffi
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Hi, ich bin Steffi und berichte hier über meine jahrelange Vaginismus Erfahrung. Ich bin überzeugt, dass jede Frau Vaginismus heilen kann und hoffe dir mit meinen erfolgreichen Schritten helfen zu können. Viel Spaß auf meiner Seite.
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