Kindheit und Sexualität

Kindheit und Sexualität

Steffi
Steffi
Hi, ich bin Steffi und berichte hier über meine jahrelange Vaginismus Erfahrung. Ich bin überzeugt, dass jede Frau Vaginismus heilen kann und hoffe dir mit meinen erfolgreichen Schritten helfen zu können. Viel Spaß auf meiner Seite.

Einblicke in meine Sexualität..

…in der Kindheit und Jugend

Ich habe mich oft gefragt, warum ich meiner eigenen Sexualität immer recht verkrampft (kleiner Wortwitz) gegenüberstand. Als Kind schämte ich mich, wenn es in einem Film, den wir mit der Familie schauten, Sexszenen gab. Genauso, wenn ich in der Nacht wach wurde und meine Eltern „hörte“. Für mich war Sex etwas, was man heimlich tut. Wovon keiner etwas mitbekommen sollte, worüber man nicht sprach. Doch woher kam das? Meine Eltern sind (denk ich) alles andere als prüde. Aber ich weiß, dass es ihnen teilweise unangenehm war, wenn wir sie nackt gesehen haben. Auch wenn die besagte Szene im Fernsehen lief, wurde aus Spaß gesagt, dass wir Kinder weggucken sollten. Ohne Hintergedanken. Und doch ist genau dieses „Weggucken“ hängengeblieben.

Sexualität früh entdeckt

Als Kind habe ich schon früh meine Sexualität entdeckt. Ich habe herausgefunden, dass wenn ich mich gegen eine Bett- oder Stuhlkante presse, es ein schönes Gefühl in mir auslöst. Damals habe ich nicht darüber nachgedacht, sondern einfach gemacht. „Leider“ hat meine Mutter mich dabei einmal erwischt. Sie wusste ja selbst nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Also hat sie es mir verboten. Meine Schwestern haben mich sogar verpetzt, wenn sie es mitbekommen haben. Ich habe deswegen nie Ärger bekommen, aber natürlich bemerkt, wie unangenehm es für meine Mutter war. Ich habe es damit verknüpft, etwas Verbotenes zu tun. Mich dafür zu schämen, ggf. von anderen ausgelacht und verpetzt zu werden. Also habe ich es heimlich gemacht. In meinem Zimmer, wenn ich mit Barbie und Ken meine Phantasien nachgespielt habe. Denn es fühlte sich ja schön an..

Wenn ich heute Kinder hätte, wäre ich mit einem Mädchen, welches mit acht, neun Jahren (oder noch früher) seine Sexualität entdeckt, ebenfalls schlichtweg überfordert. Doch genau hier ist Fingerspitzengefühl so unglaublich wichtig, da man sein Kind sonst fürs Leben prägen kann. Wer verbindet Kinder mit Sexualität? Niemand. Und doch entdecken und erforschen Sie sich und ihren Körper, oder andere, total spielerisch. Ohne genaues Ziel oder Hintergedanken. Gestern habe ich ein wirklich tolles Podcast- Interview von Kathrin Ismaier gehört. In diesem spricht sie mit Lukas, einem Erzieher, über die Sexualität von Kindern. Ich kann euch die Folge nur ans Herz legen und verlinke sie unter diesen Beitrag.

Falsche Glaubenssätze

Es ist wirklich unglaublich interessant herauszufinden, warum man falsche Glaubenssätze mit sich herumträgt. Denn nur weil es einem vorgelebt wurde, bedeutet dies nicht, dass man auch so ist. Meine Eltern wussten es nicht besser. Sie sind ja selbst eher „zugeknöpft“ aufgewachsen. Und deswegen kann und will ich ihnen auch überhaupt keinen Vorwurf machen. Sondern ich kann einfach daraus lernen und es besser machen. Wir haben heutzutage so viele Möglichkeiten zu lernen und unser Wissen weiterzugeben.

Aber es geht noch weiter: Mit dreizehn, vierzehn Jahren haben eine Freundin und ich „aus Versehen“ einen aufgenommenen Porno bei Ihrem Vater gefunden. Wir waren beide etwas überrumpelt und doch saßen wir völlig fasziniert und auch erschrocken davor und konnten es eine ganze Zeit lang nicht ausschalten. Auch dieser Porno vermittelte mir ein, sagen wir, verkehrtes Bild von Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau. Ein riesen Penis in einer kleinen Vagina und sogar im Anus!! Ich konnte mir nicht vorstellen, wie genau das funktionieren sollte. Und auch hier haben wir wieder einen Schlüsselmoment. Ich fand den Penis eklig. Die Frau musste ihn in den Mund nehmen und das Sperma, welches teilweise in Ihrem Gesicht landete, schlucken. Wtf! Für mich war das eine erniedrigende Szene und ich konnte mir nicht vorstellen, was schön daran sein könnte, einen riesen Penis, der vorher noch in der Vagina oder im Anus steckte, jetzt bis zu den Mandeln in den Mund zu nehmen, sich dabei fast den Kiefer auszurenken und das Kotzen zu kriegen. Dabei das Sekret des Mannes ins Gesicht zu bekommen, geschweige denn runterzuschlucken! (so mein damaliges Empfinden). Damit war meine Vorstellung von Sex vollkommen…falsch! Herzlichen Glückwunsch.

Immer noch ein kleiner Widerstand in mir

Wenn ich das so schreibe, bemerke ich tatsächlich den Widerstand von damals in mir hochkommen, den Ekel. Ja, was einmal fest verankert ist, lässt sich schwer lösen. Es steckt tief in mir fest. Ich bemerke immer noch Scham in mir aufkommen, wenn ich mich selbst befriedige oder einen erotischen Film schaue. Aber ich weiß, dass ich so nicht bin. Ich liebe Sex und probiere gerne neue Dinge aus. Ich bin ein sexuelles Wesen und lebe das. Ich bin nicht vergleichbar mit anderen, sondern ich mache meine eigenen Erfahrungen.
Wie oft steht man beispielsweise auch vor dem Spiegel und fragt sich, ob man sich so freizügig zeigen darf. Zu schnell wird man in der Gesellschaft als billig abgestempelt, wenn man einen kurzen Rock trägt oder ein bisschen mehr Ausschnitt zeigt. Komischerweise ist es in einer Badeanstalt völlig normal im Bikini oder Badeanzug „halb nackt“ rumzulaufen. Dann stört sich Niemand daran. Und gleichzeitig gibt es zahlreiche Männer, die eine Frau als Sexobjekt betrachten. Sie nehmen sich das Recht heraus, diese Frauen einfach anzufassen oder blöde Sprüche an den Kopf zu werfen.

Wie lebt man dann also seine Sexualität aus? Nur im eigenen zu Hause, hinter verschlossener Tür? Indem man mit seinen Reizen nicht geizt, öffentlich? Die Welt ist voller Widersprüche. Egal was man macht, Recht machen kann man es nie allen. Nur weil die Gesellschaft, oder einzelne Personen etwas vorgeben, heißt es noch lange nicht, dass es deinem Wesen und deinen Werten entspricht.

Wie realistisch gehst du durch die Welt?

Kehren wir nochmal zur Pornografie zurück. Eine grundsätzliche Frage: Wie viele Hollywood-Blockbuster sind realistisch? Egal ob Action, Science-Fiction oder Romantik. Ich vermute neunzig Prozent der Filme sind absolut unrealistisch. Die meisten Liebesfilme entstehen beispielsweise aus einer „Opfer-Rolle“ und einer „Helden-Rolle“ der Protagonisten. Wie hoch ist hier die Wahrscheinlichkeit, dass ein Paar aus solch einer ungleichen Konstellation zusammenbleibt? Sehr gering. Wie soll der Held es auch schaffen, immer der Held zu bleiben? Das ist doch furchtbar anstrengend. Wie reizvoll ist aber der gefallene Held dann noch für das „Opfer“?
Genauso unrealistisch wie die Filme, die tagtäglich im Fernsehen laufen, sind auch Pornografien. Und hierzu habe ich mir letztendlich eine einfache Frage gestellt: Was möchte ich davon wirklich glauben? Und möchte ich mit einem Mann zusammen sein, welcher der Ansicht ist, dass die Sexualität in Pornografien der Wahrheit entspricht? NEIN! Wenn ein Mann mit offenen Augen durch die Welt läuft und realistisch ist, kann er sich gerne Pornos anschauen und mit mir ausgehen. Wenn nicht…Bye!

Ich frage mich also jetzt jedes Mal, wenn ich mit Sexualität konfrontiert werde: Wer bin ICH, wer will ICH sein und ist das für MICH ok?
Ich bin nicht die Scham, die andere fühlen, wenn erotische Sexszenen im Fernsehen laufen! Ich bin nicht falsch, oder tue Verbotenes, weil andere sich mit der Situation unwohl oder überfordert fühlen! Ich bin kein sexuelles Objekt, wenn mein Ausschnitt mal ein wenig reizvoller ausfällt, nur weil es andere irritiert! Ich bin keine Pornodarstellerin, nur weil es in Filmen gezeigt wird oder der Mann erwartet, dass ich doch so sein müsse!

Ich bin nicht die Gefühle der anderen!

Das ist wohl mein Schlüsselsatz, mit dem ich diesen Artikel abschließen möchte. Gefühle und Emotionen sind überall. In einem selbst und in anderen Menschen. Und ich bin mir sicher, dass meine Glaubenssätze dadurch entstanden sind, weil ich die Gefühle meiner Mitmenschen gespürt und als meine eigenen interpretiert habe. Weil ich mich nicht ausreichend geschützt habe. Weil ich es nicht besser wusste. Weil ich mich zu sehr von anderen Meinungen habe beeinflussen lassen.

Aufklärungsarbeit und Reflektion

Ich glaube, dass mein Vaginismus sich aus all diesen kleinen Teilchen aus meiner Kindheit und Jugend zusammengesetzt hat. Manchmal können kleine banale Dinge den Stein ins Rollen bringen. Unwissend welches Ausmaß er nehmen kann. Daher ist es so unglaublich wichtig, achtsamer mit sich selbst und seinen Mitmenschen umzugehen. Kindern in gewisser Weise ihre Freiheiten zu lassen, Aufklärungsarbeit bei seinen Kindern zu leisten und kein Schamgefühl bei dem Thema Sexualität mehr zu spüren oder weiterzugeben.

Heute kann ich damit arbeiten und umgehen. Doch es war ein langer Weg, zu mir selbst, zu meiner Sexualität. Und er ist noch nicht vorbei. Deswegen teile ich diese intimen Einblicke mit Euch. Um gleichzeitig Aufklärungsarbeit zu leisten und zu Reflektieren. Denn Sexualität sollte kein Tabu-Thema mehr sein!

Alles Liebe, Steffi

 

Hier geht’s zum tollen Podcast-Interview von Kathrin Ismaier.

 

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